Verkehrswert, Verkaufspreis, Belehnungswert?

In der Praxis ist immer wieder feststellbar, wie verschiedene Datenquellen und Interessen zu ganz unterschiedlichen Immobilienwerten führen können. Kaufinteressenten sind verständlicherweise verunsichert.

Grundsätzlich ist gut beraten, wer sich an die neutrale Verkehrswertberechnung eines Schätzungsexperten der Schweizerischen Schätzungsexperten-Kammer (SEK) hält. Er wird die Immobilie vor Ort begutachten, sämtliche wertbeeinflussenden Faktoren fachgerecht berücksichtigen. Es genügt nicht, aufgrund von statistischen Daten und subjektiv taxierten Kriterien eine Bewertung mit einem online-Tool vorzunehmen.

Der Verkäufer orientiert sich zusätzlich am aktuellen und örtlichen Markt. Der Verkaufspreis wird stark von Angebot und Nachfrage beeinflusst. Ist die Lage besonders begehrt oder der bietet die Liegenschaft besondere Qualitäten, kann ein Verkaufspreis auch über dem geschätzten Verkehrswert liegen und trotzdem angemessen sein.

Der Belehnungswert aus Sicht des Finanzierungsinstituts muss sich wiederum nicht zwangsläufig mit dem Verkehrswert oder dem Verkaufspreis decken. Hier spielen weitere Faktoren, wie die risikooptimierte Betrachtungsweise oder die strategische Ausrichtung des jeweiligen Instituts ebenfalls eine Rolle. Die Folge kann sein, dass ein Liegenschaftskäufer die Differenz zwischen Verkehrswert oder Verkaufspreis und dem Belehnungswert in Form von zusätzlichen Eigenmitteln selber tragen muss.

Geniessen Sie deshalb Aussagen über Kaufpreise mit Vorsicht. Orientieren Sie sich am Verkehrswert und überlegen Sie sich, welcher Preis im Verhältnis zum persönlichen Nutzen aus der Liegenschaft steht. Vergleichen Sie verschiedene Finanzierungsangebote, die Differenzen können beträchtlich sein.